30.10.2016 - Jeninser Alp
Heute sind wir in Erwartung von Fast-kein-Aufwind mit reichlich Akkus auf die Jeninser Alp. Für mich war es der fünfte Besuch da oben, und es war ein unerwarteter Traum, die Zusammenfassung aller Einzelhighlights die ich da schon erlebt hatte...
Die Akkus mitzuschleppen war völlig unnötig, unsere Gesamtmotorlaufzeit war, vom speziellen Fotoflug am Ende abgesehen, gleich Null.

Die Jeninser Alp ist sehr komplex zu befliegen, aber gerade deswegen überaus reizvoll. Im Sommer kann man natürlich weit in die Rheintaler Thermik fliegen - 1500m über dem Talboden lässt sich leicht etwas finden. Das schied aber jetzt im Spätherbst wegen der stabilen Luftschichtung und der Talinversion aus.

Zum Glück gibt es ja Hangwind - Um 11:15 waren die steilen trockenen Südwesthänge bestens aufgeheizt für die erste Sicherheitshöhe. Mit der ging es dann zur "Wand" über dem Jeninser Alpkessel, die zog aber noch nicht so richtig. Es ist immerhin etwas schwierig, eine 500m (!) entfernte Wand für Hangflug zu nutzen, aber so ab 12:00 ging es dann doch... Das heisst der Aufwind vor der Wand war dermassen dick, dass man auch mit reichlich Sicherheitsabstand (z.T. konnte man die Schatten der Segler sehen) die erste grosse Höhe machen konnte, aber bei 300m war Schluss.

Leider blies am Startplatz ab 12:00 der Wind von Norden den Hang herunter, die Bise (kalter Nordwind) setzte ein. Denkfehler - mitten über dem Alpkessel vor der Wand baute sich eine wunderbare Thermik auf, und die saugte an... Nach der Mittagspause ging es dann ab 12:30 direkt vor dem Startplatz in die Höhe, bis 200m "normal" und darüber tat sich eine andere Welt auf - turbomässig bis jenseits der Sichtgrenze. Das heisst, wenn man den Segler nicht mehr sah (der Himmel war nicht der allerdunkelste heute, so wie sonst im Winter hier) - einfach per Vario weiterkreisen und dann Trudeln; durch das Aufblitzen hatte man den Segler dann gleich wieder. Wir haben unseren Augen und uns gegenseitig nichts geschenkt, aber höher als 450 bzw. 500m sind wir nicht gekommen. So etwas geht nur im makellos blauen Himmel und bei eher tief stehender Sonne als Beleuchtung für den Trudler.

Nach zwei Stunden wurde es langweilig und wir wechselten erstmalig zum Startplatz 2, 200m höher vor dem Glegghorn. Ich versprach mir vor allem eine bessere Möglichkeit, vor der "Wand" zu fliegen. So war es auch, einfach über den Gipfelgrat und ab ins blaue Nirwana. Nebenbei ging es auch sehr gut nach Norden vor das Glegghorn. Die Rundum-Aussicht vom Startplatz 2 ist einfach gigantisch, der Landeplatz für F3J perfekt und steinfrei. Um 15:00 fing die Kesselthermik an zu schwächeln, und 15:30 war dann definitiv Schluss.

Am ersten Startplatz blies um 16:00 dann bereits ein sehr heftiger Fallwind von der "Wand" her, aber es gingen noch ein paar Fotoflüge bei denen ich zwischendurch sogar Höhe über einem letzten Restchen Hangwind über dem Rheintal machen konnte.

Mit 3,5 Std. im Flugbuch ein wahrhaft schöner Abschluss für eine Hangflugsaison.

Übrigens wurde heute in Davos die Skisaison eröffnet. Kein Witz.
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Chris mit seinem Cluster

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Bertram mit seiner Supra

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Traumkulisse - Churer Rheintal 1500m tiefer

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Blick nach hinten ("vorne" wäre das Rheintal) - die Jeninser Alp Links: das Glegghorn, der Startplatz 2 ist die kleine helle Wiese oben rechts am Grat des Wiesenrückens davor
Bildmitte: die "Wand"
Mitte der rechten Hälfte: der Kessel, in dessen Mitte sich die bestens geschützte Thermik aufbaute.
Rechts: der Vilan (zu weit weg, fliegerisch nicht nutzbar)

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Blick nach vorne (Süden bis Westen). Ich habe es noch nicht geschafft hier bei Föhn zu fliegen - das müsste die Offenbarung sein.
Wir haben unseren ersten Startplatz verlassen und sind auf dem Weg zum zweiten

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ein weiterer Hangflugtraum: das Palfries (Gonzen)

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Am Startplatz 2: Blick nach Norden, Sarganserland

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weit im Süden Piz Kesch (linker Doppelgipfel) und Piz Bernina (höchster Gipfel in der Mitte)

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Die "Wand", jetzt genau von der Seite gesehen

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Wir sind in 2100m Höhe, es ist 30. Oktober und es ist WARM und fast windstill. Keine Jacke.

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Vor dem Glegghorngipfel, dessen Höhe wir heute mehrfach locker erreicht haben - wir konnten eigentlich überall fliegen

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In der Tiefe bereitet sich der Nebel vor

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Auf dem Rückweg: Hier kann gut den zweiten Startplatz sehen, die helle Wiese rechts am Rasenrückengrat

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und hier noch ein paar Genussbilder vom Fliegen über dem starken Taldunst:

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ein schöner Flugtag geht zu Ende

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